23. Februar 2022

Optimistisch den Blick nach vorn richten

Bei der Jahres-Pressekonferenz nahm der Vorstand der Diakonie Württemberg zu verschiedenen Themen Stellung. Vor allem Corona wird im Jahr 2022 noch stark die Arbeit der Diakonie Württemberg beeinflussen.

Corona trifft arme Menschen besonders hart

Menschen mit geringem Einkommen trifft die Corona-Pandemie besonders hart. Der finanzielle Spielraum wurde oft noch geringer als er vorher schon war. Beraterinnen und Berater der Diakonie Württemberg berichten über Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit bei Familien und Personen, die im Niedriglohnsektor und Branchen wie der Gastronomie, Hotellerie oder Veranstaltungstechnik beschäftigt sind. Mittlerweile kommen auch immer mehr Studenten, Kurzarbeiter und Menschen aus der Gastronomie zur Tafel. Die zeitweise Schließung und Kundeneinbrüche durch Impfnachweiskontrollen der Läden brachte starke Umsatzeinbrüche, teilweise von bis zu 60 Prozent. Für viele Diakonieläden bedeutet das eine schwierige Situation, teilweise wurde die Existenz der Läden gefährdet – zumal eine Soforthilfe oder Überbrückungshilfe von Bund oder Land erst mit dem Corona-Maßnahmenpaket III offiziell gewährt wurde.

Die Folgen der Pandemie für suchtkranke und -gefährdete Menschen werden erst im Lauf der Zeit deutlicher zutage treten. Erster Hinweis ist die gestiegene Anzahl von Betroffenen und Angehörigen, die Rat bei den Suchtberatungsstellen suchen.

Kinder, Jugendliche und Familien

Kinder, Jugendliche und Familien gehören ebenso zu den stark durch Corona betroffenen Gruppen. Die mit der Pandemie einhergehende Unsicherheit, finanzielle Sorgen und die Enge der Wohnsituation verdichteten familiäre oder persönliche Konflikte, die eine hohe Belastung der Familien und Kinder bis hin zu einer Zunahme an häuslicher Gewalt zur Folge hatten. Die meisten Familienzentren der diakonischen Jugendhilfe mussten Kursangebote, Veranstaltungen und offene Treffs wie zum Beispiel Familiencafés übergangsweise schließen. Die Einrichtungen können ihre niederschwelligen Angebote inzwischen wieder reduziert und in veränderten Formaten anbieten. So gibt es aktuell ein Zusammenspiel aus digitalen Angeboten wie Videochat-Sprechstunden, Online- oder Telefonberatungen. Aber auch die Kontakte und Kurse sind mit eingeschränkter Teilnehmerzahl wieder möglich.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht

Auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht ist ein großes Thema für die Diakonie Württemberg und ihre Einrichtungen. Sie sind in der Pflege, im Krankenhaus, in der Behindertenhilfe und Psychiatrie, in der Jugend-, Wohnungsnotfall- oder Suchthilfe betroffen. Für die Umsetzung ist in den Einrichtungen noch vieles zu klären.Die Diakonie fordert eine schnelle, klare und vor allem rechtssichere Umsetzung des Gesetzgebers, damit sich Einrichtungen auf die neue Situation vorbereiten können. Auch ist eine Regelung zur Erstattung von Mindereinnahmen nötig.

Digitalisierung

Die Diakonie Württemberg plant ein Innovationszentrum mit der Sanierung des Weckherlin-Hauses, das zweite Haus unserer Landesgeschäftsstelle, in dem Herausforderungen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, neue Geschäftsmodelle, Strategieentwicklung und Kulturwandel bearbeitet werden. Mitgliedseinrichtungen wird so Unterstützung angeboten, um digitalen Wandel zu gestalten. Neueste Technik soll dabei helfen, mit den Methoden der Start-up-Garagen und des Design-Thinking gut arbeiten zu können. Neben der modernen Ausstattung wird ein Konzept erstellt, wie die Innovationsentwicklung dauerhaft in enger Verzahnung mit dem Regelbetrieb der Landesgeschäftsstelle, den Fachabteilungen etc. betrieben werden kann.

Nachhaltigkeit

Bis 2035 will die Diakonie Württemberg Klimaneutralität erreicht haben. Dafür hat die Landesgeschäftsstelle den EMAS-Prozess (Eco-Management and Audit Scheme) gewählt und wird diesen im Juli 2022 mit einer Zertifizierung abschließen. Mit dem Umweltmanagementsystem werden Ressourcen intelligent eingespart, ein wirksamer Beitrag zum Umweltschutz geleistet, Kosten eingespart und gesellschaftliche Verantwortung gezeigt. Alle Umweltaspekte von Energieverbrauch bis zu Abfall und Emissionen werden rechtssicher und transparent umgesetzt. Parallel arbeitet die Diakonie Württemberg mit dem NABU zusammen, um Gebäude und Grünflächen zu optimieren und die Biodiversität zu fördern.

Weitere Themen, zu denen die Diakonie Württemberg bei ihrer diesjährigen Jahrespressekonferenz Stellung nahm, sind die Reform der Pflegeversicherung, Energiearmut, Vereinsamung durch Corona oder die Bedürfnisse junger Menschen.

Die Statements des Vorstands zu den weiteren Themen finden Sie hier.