25. Juni 2013

Die Basis erhebt die Stimme

Pflegekräfte übergeben an Sozialministerin Altpeter ein Memorandum
 

„Die Pflege krankt in Deutschland. Sie braucht mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung.“ Das sagte Kirchenrätin Heike Baehrens, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, bei der Übergabe eines Memorandums im Landtag. Seit Jahren wachse der Anteil pflegebedürftiger Menschen in der Gesellschaft und damit auch die Herausforderungen, denen sich engagierte Pflegekräfte tagtäglich stellen müssten. „Jetzt ist eine Grenze erreicht und leider zu oft auch überschritten“, meinte Dr. Eberhard Goll, Vorsitzender des Württembergischen Evangelischen Fachverbands für Altenpflege. Erstmals haben deshalb Pflegekräfte aus eigenem Antrieb das Wort erhoben und Sozialministerin Katrin Altpeter ein Memorandum übergeben, in dem sie dringenden Handlungsbedarf in der Altenpflege benennen. 

Stuttgart, 25. Juni 2013. Besonders wichtig war den Pflegedienstleitungen, dass sie einen Dialog zwischen Politik, Verbänden und Trägern beginnen. Hans-Peter Besteck, Haus- und Pflegedienstleiter des Samariterstifts Ammerbuch, betonte: „Wir fordern Interesse!“ Das Thema Pflege solle in der Gesellschaft präsent sein. Dadurch sei es möglich Herausforderungen, die sich in diesem Bereich stellen, gemeinsam anzugehen. Doch auch die konkreten Rahmenbedingungen während der Arbeit sollen verbessert werden. Dabei war den Pflegedienstleitern wichtig, dass der Personalschlüssel, also das Verhältnis Pfleger zu Patienten, der seit etwa 20 Jahren unverändert ist, den aktuellen Gegebenheiten angepasst wird. Denn der Anteil von Patienten mit chronischen Schmerzen, Demenz oder psychischen Störungen ist in den letzten Jahren gestiegen. Darüber hinaus fordern sie – an den Bund gerichtet - eine Erhöhung des Beitrags für die Pflegeversicherung, um Pflegebedürftige besser betreuen zu können, ohne diese finanziell zu stark zu belasten. Auch eine Entbürokratisierung der Pflege, die Vermeidung von Doppelkontrollen und die Einführung einer Pflegekammer sind Teil der Forderungen. Steffen Till von der Evangelischen Heimstiftung fasste zusammen: „Wir brauchen die richtigen Rahmenbedingungen, damit wir die Arbeit, die wir gern tun, auch tun können.“ 

Sozialministerin Altpeter dankte für das Memorandum. Sie betonte, dass es ihr ein wichtiges Anliegen ist, dass der Pflege mehr Wertschätzung zuteil wird. Zudem bekräftigte sie: „Wir brauchen eine Reform der Pflegeversicherung und zwar dringend.“ Eine der Forderungen aufgreifend sagte sie außerdem, freiwilliges Engagement sei wichtig, um junge Menschen für soziale Berufe zu interessieren. Allerdings betonte sie, dass viele der Probleme nicht allein von der Politik gelöst werden können, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellen. Beispielsweise bei der Frage der Personalschlüssel sei das Land nur indirekt involviert. Dennoch halte sie das Memorandum für einen wichtigen Schritt, um die Herausforderungen beim Thema Pflege anzugehen. 

Das Memorandum wird nun gemeinsam mit Unterschriftenlisten an Altenpflegeheime geschickt, um die Forderungen weiter publik zu machen und Unterstützer zu sammeln. Denn „dieses Memorandum soll nicht in der Schublade verschwinden“, wie die Sozialministerin betonte.

Memorandum zum downloaden