Aktionen zum Tag der Demokratie in Mariaberg

Gammertingen-Mariaberg (vea). „Und was hat das jetzt mit uns zu tun?“ Diese Frage stellte ein Azubi beim Demokratie-Workshop im Jugendhaus Mariaberg vergangenen Freitag. Der jüngste Jahrgang Auszubildender der Karl-Georg-Haldenwang-Schule sowie junge Menschen aus der Tagesklinik im Mariaberger Fachkrankenhaus für Kinder- und Jugendpsychiatrie waren dort im Rahmen der Aktionen zum Internationalen Tag der Demokratie, der am 15. September gefeiert wird, eingeladen. „Ihr seid die nächste Generation. Es geht darum, euch Raum zu geben, um euch mal mit dem Thema Demokratie zu beschäftigen. Es geht um eure Zukunft“, antwortete Jugendbeauftragter Raimund Jäger, der den Workshop gemeinsam mit Katrin Lauhoff von der Stabsabteilung Recht, Qualität, Entwicklung im Mariaberg e.V. leitete.
Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit den 30 Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen auseinander. In vereinfachter Form als Karten vorgelegt, wurden diese Artikel zur Grundlage für tiefgreifende Diskussionen. Dabei ging es auch um die sozialen Medien als digitales Schlachtfeld im Meinungs- und Stimmenkampf: „Ich habe das Gefühl, in Deutschland kann man nicht mehr dazwischenstehen. Du bist entweder rechts oder Friday for Future“, äußerte ein Azubi. „Hast du damit im echten Leben wirklich schon Erfahrungen gemacht, oder hast du das nur von TikTok?“, fragte darauf ein Anderer. Das Recht auf Leben wurde anhand der Grenzfälle von Todesstrafe und Abtreibung mit Pro und Contra abgewogen. Für einige Anwesende war es eine ganz neue Info, dass jeder Mensch ein Recht auf Schutz vor Diskriminierung oder ein Recht auf eine Staatsangehörigkeit hat. Im zweistündigen Workshop bekamen die Teilnehmenden ein Gefühl dafür, wie komplex die meisten Sachverhalte sind und dass es auf viele Fragen leider keine einfachen Antworten gibt, die in wenigen Videosekunden umfassend abgehandelt werden können. Und den Veranstaltenden wurde wieder einmal klar, wie wichtig und notwendig die Auseinandersetzung mit Rechten und Pflichten eines und einer jeden im demokratischen System sind. „Man kann in seinem Umfeld echt was erreichen, zum Beispiel im Gemeinderat. Dafür muss man sich einmischen! Nur Meckern reicht nicht. Das Recht habt ihr, dass man euch anhört“, gab Katrin Lauhoff den jungen Erwachsenen mit auf den Weg.
Neben dem Workshop gab es auch wieder kreative Aktionen, um das Thema Demokratie zugänglich zu machen. Das Albbündnis für Menschenrechte, gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und die Jugendarbeit Mariaberg nutzten den Mittag außerdem mit einem Infostand vor dem Mariaberger Marktplatz, um mit Passanten über das Thema Demokratie ins Gespräch zu kommen. Mit Karten, Spielen und Materialien des Regionalen Demokratiezentrums und der Netzwerke für Demokratiearbeit wurde die Bedeutung von Mitbestimmung und Engagement verdeutlicht.
Zum ersten Mal wurde außerdem mit „Tanz die Demokratie“ eine Techno-Party zum Thementag im inklusiven Jugendhaus Mariaberg gefeiert, organisiert von den jungen Menschen und Ehrenamtlichen im Jugendhaus, mit Raimund Jäger am DJ-Pult. Unter dem Motto „Demokratie ist bunt und vielfältig“ und unter Laser und Neonlicht wurde hier bis in die Nacht hinein gefeiert. Der Gottesdienst am Sonntag mit Pfarrerin Bärbel Danner, bei dem auch leuchtende Transparente aus dem Jugendhaus gezeigt wurden, bildete den feierlichen Abschluss der Thementage.